10.05.–30.05.2021 – architekturschaufenster.de – Ausstellung im Schaufenster 

Sie tanzen durch den Wald wie Oskar Schlemmers Triadisches Ballett, blicken mit den wachen Augen eines John Hejduks über die Felder und zwinkern uns zu wie ein gut gelaunter Aldo Rossi: Die Bienenbeuten, die der Münchner Architekt Max Otto Zitzelsberger gemeinsam mit Studierenden an seinem Lehrstuhl für Tektonik im Holzbau an der TU Kaiserslautern entworfen und gebaut hat. Entstanden sind fünf fröhlich-bunte Objekte. Detailliert geplant und in alter Handwerkskunst ausgeführt, bieten sie einen formal-geometrischen Genuss mit einer guten Prise Komik.

Tierschutz wird hier zur Gestaltungsaufgabe: Die klare Konstruktion und die vergnüglich fröhlichen Farben verleihen den Kleinstarchitekturen Wertigkeit und Eigenständigkeit. Farbe dient dabei nicht nur dem Holzschutz, sondern erleichtert den Bienen auch die Orientierung. Zudem entspringt die Idee einer jahrhundertealten bäuerlichen Tradition, den eigenen Stolz über Farbigkeit und Ornamente an Haus und Hof, aber auch mit Alltagsobjekten nach außen zu tragen.

Im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2020 an der Architekturfakultät der Universität Kaiserslautern am Fachgebiet Tektonik im Holzbau entstanden 18 Entwürfe solcher Bienenbeuten, 5 davon wurden von den Studierenden gebaut. Der gemeinsame Workshop fand im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen statt. Das Projekt wurde zusammen mit dem Soziologen Klaus Zeitler entwickelt, von Seiten des Museums getragen und von der Firma Caparol freundlich unterstützt.

Becker Philip, Brand Sandra, Duman Merve, Guastaferro Yolanda, Herrmann Friederike, Hinrichsen Nicolas, Hugot Anna, Lange Pascal, Lauer Céline, Monreal Lisa-Marie, Nuber Carola, Schmidt Stefan, Stober Andja, Unglaube Simon, Wagner Mareike, Yakut Süheda, Yaldiz Gizem, Zimmermann Kim

 

Mit der Ausstellung „Bienenbeuten“ startet die Reihe der Jungen Architektur „radikalnormal“, in der wir uns mit dem Alltäglichen der Architektur auseinandersetzen wollen. Wir wollen Normalität als architektonische Strategie untersuchen und den Gegenentwurf zur ikonischen Architektur entdecken. Damit einher geht der Wert des Regionalen und des Handwerks, der Beteiligung und der Teilhabe. Die Suche nach dem Einfachen kann auch einen ökologischen und ökonomischen Mehrwert bringen mit einer Wiederentdeckung regionaler Materialen, Kreisläufe und Techniken. Geometrische Formen aufgeladen mit einer sozial-gesellschaftlichen Bedeutung schaffen eine hohe Präsenz des Einfachen, die es nur mit einer starken künstlerisch-kulturellen Haltung der Architektur geben kann.